
Unser Haus an der Fürstenbergstraße wurde eigens für die Rotkreuzarbeit errichtet und am 16. Februar 1929 feierlich eingeweiht. Fast ein Jahrhundert später ist es noch immer die Heimat des Roten Kreuzes in Opladen.
Die Idee für ein eigenes Haus der Opladener Sanitätskolonne reicht bis um die Jahrhundertwende zurück. Der damalige Kreisinspekteur der Rotkreuzkolonnen, Geheimrat Sanitätsrat Dr. Le Blanc, hatte den Bau bereits damals angeregt. Verwirklicht werden konnte er zunächst jedoch nicht.
1926 wurde der Plan wieder aufgegriffen. Die Kolonne war inzwischen gewachsen, und die Unterbringung ihrer Ausrüstung wurde zunehmend zum Problem. Ein eigenes Haus sollte deshalb bessere Voraussetzungen für Ausbildung, Material und vor allem die Einsatzbereitschaft schaffen.
Im Mai 1928 begann schließlich der Bau. Der Landkreis Solingen stellte ein Grundstück an der Fürstenbergstraße zur Verfügung. Finanzielle und praktische Unterstützung kamen unter anderem von der Stadt Opladen, dem Vaterländischen Frauenverein, der Reichsbahn, dem Preußischen Wohlfahrtsministerium und dem Deutschen Roten Kreuz.
Das Gebäude war als Zweckbau geplant, aber auf die vielfältigen Aufgaben der damaligen Rotkreuzarbeit zugeschnitten.
Im Erdgeschoss befanden sich eine Sanitätswache, ein Verbandsraum, ein Geräteraum, eine Werkstatt und eine Garage für drei bis vier Fahrzeuge. Hinzu kamen Räume für den Vaterländischen Frauenverein.
Im Obergeschoss lag ein 125 Quadratmeter großer Versammlungs- und Übungsraum für Versammlungen, Konferenzen und Ausbildung. Mehrere Wohnungen ermöglichten es zudem, benötigte Helfer unmittelbar im Haus unterzubringen.
Damit waren wichtige Voraussetzungen geschaffen, um im Alarmfall schnell handlungsfähig zu sein.
Zur Einweihungsfeier kamen zahlreiche Gäste aus Opladen und dem Landkreis Solingen. Der große Saal im ersten Stock war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Festansprache hielt Reichsbahnrat Bückart, der maßgeblich die Verwirklichung des Bauvorhabens vorangetrieben hatte. Er erinnerte an die lange Entstehungsgeschichte und dankte den zahlreichen Unterstützern. Dabei verschwieg er auch die Schwierigkeiten nicht: Immer wieder hatte es Momente gegeben, in denen die Finanzierung und Umsetzung des Projekts gefährdet schienen.
Neben Bückart sprachen unter anderem Geheimrat Dr. Lucas, Landrat Trimborn, Bürgermeister Wolters, Professor Klotzbach als Architekt sowie Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, der Reichsverwaltung, der Feuerwehr und der Kirchen.
Eine besondere Rolle spielte die gemeinsame Nutzung durch die Freiwillige Sanitätskolonne und den Vaterländischen Frauenverein. Frau Geheimrat Lucas bezeichnete diese Zusammenarbeit bei der Einweihung als eine „gute Kameradschaftsehe“ zwischen der Männer- und der Frauenseite des Roten Kreuzes.
Baurat Bückart formulierte bei der Übergabe des Hauses den Anspruch, den es erfüllen sollte. Es solle den
„Geist dienender Menschen- und Nächstenliebe“
sichtbar verkörpern und die Bereitschaft stärken, der Allgemeinheit zu helfen.
Besonders eindrucksvoll ist das Schlusswort von Lehrer Schmitz für die Freiwillige Sanitätskolonne. Er erinnerte daran, dass das Haus nur durch die Hilfe vieler Menschen entstehen konnte. Deshalb wolle man es als ein Geschenk an die Rotkreuzarbeit verstehen und sich dieser Gabe durch „rastloses und selbstloses Arbeiten“ würdig erweisen.
Sein Wunsch für die Zukunft lautete:
„Das Haus soll eine Pflanzstätte reiner Menschenliebe werden.“
Seit 1929 hat sich die Rotkreuzarbeit verändert. Aus der damaligen Freiwilligen Sanitätskolonne ist die heutige DRK-Bereitschaft Opladen geworden, Aufgaben, Fahrzeuge und Ausstattung haben sich weiterentwickelt.
Das Haus aber erfüllt noch immer seine ursprüngliche Aufgabe: Es ist Ort der Ausbildung, Treffpunkt der Helferinnen und Helfer, Ausgangspunkt für Einsätze und Heimat unserer Rotkreuzarbeit.
1929 für das Rote Kreuz gebaut – und bis heute das Zuhause des DRK Opladen.
Der Weihespruch des Opladener Dichters Fritz Woike, der bei der Einweihung vorgetragen wurde, fasst diesen Gedanken bis heute treffend zusammen:
„So wachse weiter in die Zeit,
Du Haus, der Liebe Dienst geweiht.“